Buchvorschau

1. Seite

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Autorin

Vorderseite

Rückseite

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5 Eine Einführung Barbara Lang
10 Von Rettern und Menschen BeateJark
14 Fiktive Auskünfte rettender Menschen Götz Schwirtz
14 Die Retterin rettenBericht eines Rettungsassistenten
18 Der verschwundene OttoBerichteinesErsthelfers
22 Der FeierabendsprungBericht einer Sanitätspolizistin
26 Diese Jugend! Bericht eines Fahrers
31 Unterlassene HilfeleistungBericht einer Angehörigen
36 Die ErlösungBericht eines Opfers
41 Mut Laura Jark
44 Von einem hilfsbedürftigen Helfer UllaSpörl
47 Die Sprayer Jan-Holger Mauss
48 Retter in Not Tom Westphal
52 text-syndrom oder
ähnliche zustände einer (art) rettung NorbertMayer
56 Die verlorene Sicherheit RalphSchneider
58 Vaterliebe Ronald Weese
61 Ohne ein Wort Sanni Germann-Behrens
65 Drei Monate im Januar Monika Albers
68 Morgendämmerung MahmoudBehraznia
74 Der kleine Hunger Robby Rotha
76 einst retteten UtaPillingund JensPaulWollenberg
82 Porträts des Rettungsteams DRK Gera Frank Rüdiger
100 Liebe Noreen Claudia Winkel
106 Auf Bewährung Patrick Rabe
117 Eine Geschichte vom Nicht-Retten Liesbet Nyssen
118 Rettungsring Ute Leuner
122 Vergebliche Mühe Jean-François Quinque
127 Heute Nacht bin ich zweimal aufgewacht Barbara Pier
131 Über Retter und Menschen Jens-Jörgen Kerkovic
140 Rette sich, wer kann Andreas Leuze
143 Zum Schluss Matthias Vernaldi
145 Danksagung Noreen S. Rotha
147 Die Zeichnungen und Fotos
148 Biografien: Noreen S.Rotha, Frank Rüdiger

Eine Einführung
Dieses Buch will auf einen Vorgang hindeuten, der tagtäglich um uns herum stattfindet. Es handelt von Menschen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen. Von Rettern und Menschen – bereits der Titel macht deutlich, dass dies nicht ganz ohne Widerspruch ist. Wer sind diese Retter? Sind das etwa keine Menschen? Und wer rettet überhaupt wen? Sind wir nicht grundsätzlich auf die Hilfe und Unterstützung unserer Mitmenschen angewiesen? Das Thema Rettungsarbeit wird hier anhand von Fotografien, Zeichnungen und Texten vorgestellt und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der künstlerische Ansatz zielt darauf ab, die Thematik mit all ihren Spannungsfeldern aufzuzeigen, Gefühlswelten sichtbar zu machen und Raum zur kritischen Reflexion zu schaffen.
Bereits die Gestaltung des Buches, die bewusst auf eine starre Gliederung, auf eine Trennung der Disziplinen verzichtet, weist darauf hin, dass zwischen den noch so unterschiedlichen Sichtweisen der beteiligten Akteure Verbindungen und Dialoge bestehen. Ein Rettungsteam fotografiert Spuren des Arbeitsalltags und bringt damit die eigene Sicht auf die Rolle des Retters und das bei den Rettungseinsätzen Erlebte zum Ausdruck. Der Fotograf Frank Rüdiger wiederum porträtiert das Rettungsteam in Schwarz-Weiß-Fotografien, die den Menschen hinter der Tätigkeit hervortreten lassen. Die Künstlerin und Initiatorin des Buches, Noreen S.Rotha, ihren Zeichnungen auf die Intensität der Begegnungen und betont so die Gefühlsebene und das scheinbar Verborgene. Zugleich wird ein emotionaler Zugang zu den Erfahrungen und Bedürfnissen jener Personen gewährt, die sich in extremen Situationen der rettenden Hand eines anderen überlassen oder mitunter auch verweigern.
Wie vielschichtig menschliche Sichtweisen sein können, wird schließlich in den Texten der beteiligten Autoren deutlich, die sich der Materie aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln nähern. Ausgangspunkt für das Buch ist die Erkenntnis, dass das Rettungs-Motiv durchaus eine Faszination auf die Menschen ausübt, vermutlich, weil der Stoff dazu direkt dem Leben entstammt. Im Jahr 2008 fand das Kunstprojekt „Von Rettern und Menschen“ bei einer Ausstellung im thüringischen Gera ein interessiertes Publikum. Dabei Besuchern der Wunsch, sich tiefergehend mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Was aber veranlasst eine Künstlerin, sich
diesem Thema zu widmen? Vielleicht geht es Noreen S.Rotha in diesem Kontext ja darum: Fragen aufzuwerfen – zur heutigen Kunstpraxis und zum Kunstbegriff selbst, zu den Möglichkeiten und den Grenzen der Einflussnahme von Kunst auf die Gesellschaft. Was sind die Wirkungen und Funktionen der Künste? Die gesellschaftliche Rolle der Künste besteht jedenfalls nicht darin, eindeutige Antworten auf die offenen Fragen des Lebens zu geben. Vielmehr geht es um das Sichtbarmachen des Ungesehenen und das Sagen des bislang Ungesagten.
Seit Anbeginn der Menschheit ist eine der wesentlichen Wirkungen der Künste die der Selbstbeobachtung und Selbstreflexion. Die Künste dienen schon immer als eine Art Spiegelbild, indem sie uns helfen, Eindrücke und Gefühle kritisch zu reflektieren, eine bewusste Haltung zu gemachten Erfahrungen zu entwickeln und, darauf aufbauend, ein „Selbstbild“ zu schaffen. Eine solche persönliche Identitätsbildung geschieht freilich immer in Relation zur Gemeinschaft, in der wir leben. So gesehen können die Künste als eine Art Kitt der Gesellschaft bezeichnet werden, denn erst das Individuum, das eine Sensibilität für seinen Platz in der Gemeinschaft erlangt, kann seine Gedanken und Handlungen mitfühlend auf andere beziehen.
Demnach vermag die Kunst gleichermaßen die Selbstreflexion und die bewusste Gestaltung der Lebenswelt anzuregen. In diesem Sinne trägt sie dazu bei, dass in unserer zivilisierten Gesellschaft Raum geschaffen und erhalten wird für eigenständig denkende und menschlich handelnde Individuen. Bei diesem Projekt wird nicht nur dem Leser und Betrachter ein konkreter Einblick in einen bestimmten Teil der Arbeitswelt gewährt; auch den Akteuren, den Fachkräften selbst, wird ein erweitertes Bewusstsein für ihre Tätigkeit und ihre Rolle innerhalb der Gemeinschaft ermöglicht.

Aus anonymen Personen, die professionelle Leistungen erbringen und mit Blaulicht und Getöse durch die Gegend fahren, werden Menschen mit einer vielschichtigen Identität – Menschen, die sich bestimmten in den Medien verbreiteten Klischees verweigern und die im Alltag von Ängsten und Mitgefühl begleitet werden. Sie werden zu Rettern, die ihre überaus ernst zu nehmende Aufgabe gelegentlich auch mit einem Augenzwinkern erfüllen oder sich in komischen Momenten ein herzliches Lachen gönnen. Ebenso dienen die Künste der Sinnfindung und Wertevermittlung. In einer Welt der zunehmenden Beschleunigung gilt es gerade diejenigen Fähigkeiten zu stärken, die es einem ermöglichen, Komplexität und Widersprüche auszuhalten. Wie geht man eigentlich mit einer Notsituation um? Wie wird man am besten damit fertig? Wie lässt sich der Widerspruch zwischen wachsendem Zeitdruck und menschlicher Zuwendung vereinbaren?
Dieses Buch möchte auf Aspekte hindeuten, die jenseits der körperlichen Versorgung liegen. Es will darauf hinweisen, dass bei der Bewältigung von Krisen stets auch Fragen nach dem Sinn und der persönlichen Bedeutung mitschwingen. Inwieweit gelingt es dem Retter, sein Tun als etwas Sinnvolles zu begreifen? Wie kann jemand, der sich in einer lebensgefährlichen Situation befand, mit neuer Zuversicht weiterleben? Wo gibt es die Möglichkeit, sich über die in der Not geteilten intensiven Momente auszutauschen? Kunst schafft Kommunikation. In diesem Fall werden Menschen dazu angeregt, Verbindung miteinander aufzunehmen: Kollegen tauschen sich untereinander aus, Menschen suchen Kontakt zu den Rettern, man kommt ins Gespräch, mit wem auch immer. Sich seinen Mitmenschen anzuvertrauen über Dinge, die nicht eben leicht auszuhalten oder zu verarbeiten sind, die aber zum Leben dazu gehören, kann ungemein helfen, Licht in so manches Dunkel zu bringen. Vielleicht regt dieses Buch auch den einen oder anderen „unbeteiligten“ Leser dazu an, sich auf seine ganz eigene Art und Weise mit dem Thema Rettungsarbeit auseinanderzusetzen oder in seinem persönlichen Umfeld einen Dialog darüber in Gang zu bringen. Wenn das gelingt, hat es seine lebensbejahende Wirkung entfaltet.

Barbara Lang,
Kulturmanagerin und Übersetzerin

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elsnerVerlag gera ®2009